In stürmischen Zeiten: Was ich beim Schreiben gelernt habe

über Dienstmädchen im 19. Jahrhundert

Dienstmädchen zu sein, war im 19. Jahrhundert nicht nur einer der schwersten, sondern auch der am wenigsten angesehene Frauenberuf.

Der Lohn der meist sehr jungen Frauen vom Lande war lächerlich. Manchmal arbeiteten sie bis zu sechzehn Stunden am Tag nur für schmale Kost und ein oft erbärmliches Quartier in einer Rumpelkammer oder gar einem Hängeboden, einer Art Zwischendecke, in der man kaum aufrecht sitzen konnte.

Aufgrund der bigotten bürgerlichen Moral des 19. Jahrhunderts schamhaft verschwiegen, war die sexuelle Ausbeutung der Dienstmädchen, entweder durch den Hausherrn selbst oder seine Söhne. Eine Schwangerschaft führte unweigerlich zur unehrenhaften Entlassung, verbunden mit einem Eintrag im sog. „Gesindebuch“, ohne das Dienstboten sich sogar strafbar machten, wenn sie eine neue Stelle suchten. Viele auf solche Weise entlassene Frauen endeten im Elend der Prostitution.

Wie sehr man Dienstmädchen als „Unperson“ betrachtete, wird an der weit verbreiteten Unsitte deutlich, sie mit einem anderen Vornamen zu rufen, wenn ihr Taufname zufällig der gleiche war wie der der Hausherrin oder einer ihrer Töchter.

 

über das Großbürgertum im 19. Jahrhundert

Erst ungefähr ab der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt sich in Europa eine neue Gesellschaftsschicht herauszubilden, das sog. „Großbürgertum“.

Mit der zunehmenden Industrialisierung erwarben vor allem ehemalige Handwerker und Kaufleute durch Gründung von oder Beteiligung an Fabriken oder großen Handelsunternehmen ein beträchtliches Vermögen. Zunehmend gewannen sie auf nationaler und kommunaler Ebene auch politisch an Einfluss.

Sagte man vor den großen Revolutionen vor allem dem Adel nach, dass er sich dem einfachen Mann aus dem Volke durch seine Geburt weit überlegen fühlte, so stand ihm das Großbürgertum darin in nichts nach. Zwar konnte es seine herausgehobene Stellung nicht auf „Gottes gewollte Ordnung“ zurückführen, aber der häufig durch unmenschliche Arbeitsbedingungen der einfachen Leute erworbene Reichtum diente als ausreichender Ersatz.

Je einfacher die ehemalige Herkunft der Familie war, desto größer waren oft Hochmut und Verachtung, mit denen man den unteren Klassen begegnete.

Dagegen war die Heirat mit einem verarmten Mitglieds des Adels oder gar der Aufstieg in diese Gesellschaftsschicht in vielen Großbürgerfamilien oberstes Ziel.

 

über den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71

Die Schützengräben des Ersten und die Bombardements des Zweiten Weltkriegs sind uns auch heute noch gut bekannt. Doch das Grauen des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71 liegt überwiegend im Dunkel der Geschichte.

Ausgelöst durch einen heute kindisch anmutenden Anlass in Form eines respektlosen Briefwechsels („Emser Depesche“), deren Inhalt gleichwohl den Nationalstolz beider Völker verletzte, forderte dieser weniger als ein Jahr währende Krieg mit über 400 000 toten und verwundeten Soldaten eine unmenschlich hohe Anzahl an Opfern.

Die meisten Schlachten fanden dabei zwischen dem 4. August (Weißenburg/Elsass) und dem 1. September 1870 (Entscheidungsschlacht in Sedan) statt. Sie wurden allesamt von den Franzosen verloren, doch auch von den deutschen Siegern mit einem ungeheuren Blutzoll bezahlt. In geradezu selbstmörderisch anmutendem Gebaren stürzten sich vor allem Offiziere beider Armeen an der Spitze ihrer Soldaten schutzlos ins gegnerische Gewehr- oder Artilleriefeuer.

Doch der schnelle Tod in der Schlacht war das gnädigere Schicksal für viele Opfer. Das Lazarettwesen stand noch in seinen Anfängen, eine systematische und effektive Versorgung der Verwundeten existierte auf keiner Seite. Für die Verletzten gab es oft tagelang keine Hilfe. Es blieb überwiegend der Zivilbevölkerung rund um die Schlachtfelder überlassen, die Toten zu begraben und die Verwundeten zu bergen und zu pflegen.