Wer blind vertraut: Die Buchidee
Als ich mich mit den hinter meinem dritten Canterbury-Fall stehenden wahren Verbrechen zu beschäftigen begann, fiel mir zunächst Folgendes auf:
diese scheußlichen Taten wären nicht möglich gewesen, wenn Zeugen und Zeuginnen dieser Untaten nicht in Angst vor den Übeltätern erstarrt wären.
Aus dieser Angst heraus wagten sie nicht, sich jemandem anzuvertrauen, und mussten deshalb hilflos miterleben, wie auch ihnen lieb gewordene Menschen ein schlimmes Schicksal erlitten.
Die wahren Taten waren dabei dermaßen grässlich, dass ich nur Aspekte daraus für diesen Roman verwendet habe. Ich habe mich stattdessen darauf konzentriert, mich mit dem Phänomen zu beschäftigen, das hinter dem Schweigen der Zeugen stand: die vollkommene emotionale Abhängigkeit von den Tätern.
Eine emotionale Abhängigkeit anderer Art schildere ich anhand der betroffenen Frauen im zweiten Handlungsstrang: Sie verlieben sich rettungslos in einen Mann, der ihre Gefühle ausnutzt, um sie um ihr Vermögen zu bringen. Auch Liebe macht blind und damit abhängig.
Dass in einer der True-Crime-Vorlagen auch das Phänomen des Messietums eine Rolle spielte, brachte mich auf die Idee, diese zwar allgemein recht bekannte, aber wissenschaftlich noch relativ wenig erforschte Störung im Buch zu beschreiben und meinen Leserinnen und Lesern dabei vor allem die Hintergründe näherzubringen.