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"Wer blind vertraut" ist am 18. Juni 2026 als Print und Ebook bei dtv erschienen.

Wer blind vertraut: Die Buchidee und meine persönliche Bilanz der Reihe

Die Buchidee

Als ich mich mit den hinter meinem dritten Canterbury-Fall stehenden wahren Verbrechen zu beschäftigen begann, fiel mir zunächst Folgendes auf:

diese scheußlichen Taten wären nicht möglich gewesen, wenn Zeugen und Zeuginnen dieser Untaten nicht in Angst vor den Übeltätern erstarrt wären.

Aus dieser Angst heraus wagten sie nicht, sich jemandem anzuvertrauen, und mussten deshalb hilflos miterleben, wie auch ihnen lieb gewordene Menschen ein schlimmes Schicksal erlitten.

Die wahren Taten waren dabei dermaßen grässlich, dass ich nur Aspekte daraus für diesen Roman verwendet habe. Ich habe mich stattdessen darauf konzentriert, mich mit dem Phänomen zu beschäftigen, das hinter dem Schweigen der Zeugen stand: die vollkommene emotionale Abhängigkeit von den Tätern.

Eine emotionale Abhängigkeit anderer Art schildere ich anhand der betroffenen Frauen im zweiten Handlungsstrang: Sie verlieben sich rettungslos in einen Mann, der ihre Gefühle ausnutzt, um sie um ihr Vermögen zu bringen. Auch Liebe macht blind und damit abhängig.

Dass in einer der True-Crime-Vorlagen auch das Phänomen des Messietums eine Rolle spielte, brachte mich auf die Idee, diese zwar allgemein recht bekannte, aber wissenschaftlich noch relativ wenig erforschte Störung im Buch zu beschreiben und meinen Leserinnen und Lesern dabei vor allem die Hintergründe näherzubringen.

 

Meine persönliche Bilanz der Reihe

Was war mein Anspruch?

Ich wollte Kriminalromane schreiben, die auf fundierter psychologischer Grundlage beruhen. Dies bezog sich zum einen auf die Persönlichkeiten von Tätern und Opfern, zum anderen auf deren Beziehungen zueinander.

Motiviert wurde ich dazu durch den hanebüchenen Unsinn, den viele, auch renommierte Autorinnen und Autoren in diesem Genre schreiben. Sie konstruieren Persönlichkeiten, die so in der Realität gar nicht vorkommen könnten. Sie konstruieren Beziehungen unter den Tätern oder zwischen Täter und Opfer, die ebenfalls sehr unrealistisch sind. 

Auf diesen Elementen beruhen dann die von den Leserinnen und Lesern hochgeschätzten sogenannten Plot-Twists, die vollkommen überraschen. Dies ist auch kein Wunder. Denn die Veränderungen bzw. Facetten der Persönlichkeit, die hinter diesen Plot-Twists stehen, gäbe es in der Realität auch nicht.

Allen voran ist hier die amerikanische Autorin Freida McFadden zu nennen, die mit diesen Elementen in fast jedem ihrer Romane spielt und von Erfolg zu Erfolg eilt, weil psychologische Laien den Unsinn, der hinter ihrer Dramaturgie steht, entweder gar nicht erkennen oder zugunsten der Spannung in Kauf nehmen. Aber auch andere Autoren und Autorinnen könnte ich nennen, worauf ich an dieser Stelle jedoch verzichte.

Jedenfalls wollte ich mich deutlich von diesem Trend absetzen.

Um die Beziehung zwischen Täter und Opfer realistisch nachstellen zu können, habe ich daher ausschließlich wahre Kriminalfälle, teilweise aus Deutschland, in der Mehrzahl aus dem englischsprachigen Raum als Vorlage genommen. In meinen drei Romanen erscheinen sie als Cold Cases, die meine psychologisch versierte Lily Brown sowohl als Therapeutin als auch als ehemalige Polizeipsychologin erkennt und als Ermittlerin erfolgreich löst.

Da sie auf diese Fälle in ihrer psychotherapeutischen Praxis stößt, habe ich in jedem Roman zwei Handlungsstränge konstruiert, also Kriminalfälle, die von zwei verschiedenen PatientInnen in Lilys Praxis ausgehen. Sonst hätte ich für die Fälle unbedeutende Nebenhandlungen erfinden müssen, um einen Praxisbetrieb einigermaßen realistisch nachstellen zu können.

Dies gab mir außerdem die Möglichkeit, entlang der True-Crime-Vorlagen verschiedene  psychologische Phänomene, die den Fällen zugrunde liegen, zu erläutern.

Soweit das Grundkonzept. Vielleicht war es für den einen oder die andere am Anfang gewöhnungsbedürftig, wurde jedoch mit jedem Band besser akzeptiert.

Was ich beim Schreiben über die Reaktionen der Leserschaft gelernt habe:

Einige haben Probleme damit, dass die beiden Kriminalfälle keinen Zusammenhang aufweisen. Aus den Leserunden weiß ich allerdings, dass dies am Ende bei der Bewertung nie eine Rolle spielte.

Die meiste Kritik gab es an der Person von Lilys Partner Dan Baker. Auch das hat mich überrascht. Denn die Persönlichkeit der Ermittler wird in vielen anderen Kriminalromanen weit abstruser (wenn auch nicht so unrealistisch wie die von Täter oder Opfer) geschildert als Dans Persönlichkeit.

Er ist einer jener typischen und daher häufig vorkommenden Männer, die offene Konflikte erst einmal scheuen und daher heimliche Wege gehen, um Unvereinbares unter einen Hut zu bringen.

Das hat man Dan fast bis zum dritten Band übel genommen, obwohl ich auch seine Entwicklung realistisch darzustellen versucht habe.

Großen Anklang fand in der Regel Kater Mick, den ich meinem echten Kater Mirko nachgestellt habe. Ab und an erschien dieser kleine Handlungsstrang, den ich auch zur kurzen Ablenkung der Leserschaft von den doch recht düsteren Kriminalfällen eingebaut habe, dem ein oder anderen bei Band 3 eher überflüssig. Auch das führte jedoch nie zum Abzug von Sternen bei der Bewertung.

Dagegen wurde über alle drei Bände mehr und mehr gelobt:

  • meine psychologische Expertise bei den Falldarstellungen und dem Verlauf von Ermittlung und Aufklärung mit der realistischen Ausformung der zugrunde liegenden psychologischen Phänomene
  • die Person der Lily Brown, die ausschließlich als sympathische starke Persönlichkeit empfunden wurde
  • meine Aufklärung in jedem Nachwort, welche Elemente ich aus welchen wahren Fällen in die Handlung habe einfließen lassen, die in der ganz überwiegenden Mehrzahl der Fälle als überaus spannend beurteilt wurde.

Schon Band 1 kam bei meiner Leserschaft außerordentlich gut an und erhielt bei vorliegenden 100 Rezensionen auf Lovelybooks.de einen Durchschnitt von 4,6 Sternen. Es gibt sogar eine niederländische Lizenz, viele Leserinnen dort waren ebenfalls von Band 1 angetan.

Einige Anfängerfehler habe ich dann schon in Band 2 korrigiert, der noch bessere Kritiken bekam: 4,9 Sterne im Durchschnitt von 81 Rezensionen.

Die Rezensionen von Band 3 toppen allerdings alles, was ich bisher mit insgesamt achtzehn Büchern an Feedback erhalten habe: es gibt bislang auf den seriösen Plattformen, die keine Trolle dulden, auf Lovelybooks 57 Rezensionen, davon 56 mit 5 und eine mit 4 Sternen, auf Thalia 42 Rezensionen mit ausschließlich 5 Sternen.

Stand: 15. August 2026

Was für eine persönliche Bilanz ziehe ich nach der Canterbury-Trilogie?

Aufgrund der begeisterten Reaktionen von denen, die die Bücher gelesen haben, hätte die Reihe eigentlich theoretisch eine gute Chance gehabt, sich am Markt durchzusetzen.

Trotzdem ist die Anzahl der verkauften Bücher von Band zu Band zu meiner großen Enttäuschung gesunken. Der große Publikumsverlag dtv, der zur Zeit des Beginns unserer Kooperation als der erfolgreichste im deutschen Sprachraum galt, hat es nicht geschafft, diese Reihe in die Buchhandlungen zu bringen und ihr damit Sichtbarkeit und eine größere Leserschaft zu vermitteln.

Da ich gute Verträge bekommen hatte, ist das finanziell für mich zu verkraften. Es bleibt die Enttäuschung, dass diese Reihe, die zuletzt auf so viel Begeisterung stieß, jetzt zumindest bei dtv sang- und klanglos zu Ende ist. Das hat sogar der Programmleiter, der mich hervorragend bei Band 3 betreut hat, sehr bedauert, ohne dagegen etwas ausrichten zu können.

So hat sich zum ersten Mal in meiner Laufbahn als Autorin eine Prophezeiung bewahrheitet, die mein Agent Thomas Montasser schon im Jahr 2012 gemacht hat, als er mich in seine Klientel aufnahm:

„Selbst die beste Qualität ist kein Garant für Erfolg auf dem Markt.“

Sehr schade auf der einen Seite. 

Auf der anderen Seite bedanke ich mich sehr herzlich bei allen, die den Canterbury-Fällen mit ihrer Begeisterung die Treue gehalten haben. 

Dr. Marita Spang-Fitzek

Autorin

E-Mail info@maritaspang.de

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